SEEN - SE European Bird Migration Network
Ornithologischer Anzeiger Review
BUSSE, P. (2000): SEEN - SE-European Bird Migration Network. Bird Station Manual.
Paperback. 264 S., 155 Abb., 26 Tabellen Farbfotos.
Bezug: Jessica Bird Nets Poland, Przebendowo, 84-210 Choczewo, Polen,
Tel.: (4858) 676-32-20, Fax 676-32-65; E-Mail: seen@univ.gda.pl.
Preis mit Versand $ 36.

Przem Busse ist weit über die Baltische Region bekannt als Enthusiast iiberregionaler Feldarbeit und internationaler Zusammenarbeit. Seine Aktivitaten üben einen starken Eintluss auf die Beringungs- und Forschungsaktivitaten in diesem Teil Europas aus und viele Beringungsprogramme folgen der Methode und Arbeitsweise seiner "Operation Baltic". Dieses 1961 begonnene Vogelzug-Forschungsprogramm hat er kontinuierlich bis heute über 40 Jahre durchgeführt. Innerhalb des Programms zeichnen Feldstationen ent1ang der Ostseeküsten Zugdaten und Trends der Fangzahien auf.

Busses bisherige Bücher und andere Publikationen widmen sich der Beringung, tageszeitlichen Fangmustern rastender Tag- und Nachtzieher, der Biometrie und Populationsdynamik. Um seine methodischen Standards weit über den Bereich um die Ostsee hinaus einzuruhren, hat Busse nun ein ausfuhrliches Handbuch für Vogelstationen veroffentlicht. Die Arbeitsmethoden umfassten dort zunachst auch die Sichtbeobachtung ziehender Vogel auf den Nehrungen, heute nur noch Fang und Beringung. Dabei wurden verschiedene neue Methoden zur Beschreibung und Messung von Fliigel-Indices, zur Schwanzlange und Fettdisposition sowie Experimente und eine neue - bemerkenswert einfache und preiswerte - Methode für Orientierungsversuche entwickelt und eingeführt.

Die von "Operation Baltic" seit 1961 erhobenen, standardisierten Daten decken alle bisherigen Jahre bestandig ab und sind somit die langste Datenreihe der Welt innerhalb eines Netzwerks verschiedener Stationen. In dieser Zeit wurden iiber 1,2 Millionen Vogel beringt und ca. 900000 vermessen.

Mit SEEN, dem SE-europaischen "Bird Migration Network" hat Busse die Koordination von 40 teilnehmenden Vogelzug- und Beringungsgruppen aus 20 Landem übemommen, deren Aktivitatsradius bis Agypten reicht. Ihr Ziel ist es, die wenig bekannten, nach Südosten weisenden Zugwege in Ost- und Südeuropa zu erforschen, die nach seinen Ergebnissen von weit mehr Vogeln eingeschlagen werden als man dies bisher annahm.

Vogelpopulationen, die entlang des südostlichen Zugwegs ziehen, sind in den Brutgebieten in Nord- und Zentraleuropa durchmischt mit Populationen, die durch Deutschland, Italien Frankreich und Spanien nach Südwesten ziehen. Die Populationsdynamik dieser Gruppen beeinflussen einander stark, ein Umstand, der bisher in Zugforschung und Vogelschutzaktivitaten auf europaischer Ebene viel zu wenig berücksichtigt wurde. Die Untersuchung der Zugwege und der Oberwinterungsgebiete solcher Regionalpopulationen stellen innerhalb der "Operation Baltic" einen Schwerpunkt der bisherigen Forschung dar, deren überraschende Ergebnisse in zahlreichen Kapiteln und in Abbildungen des jetzt erschienenen Handbuchs dargestellt werden.

Schon die bisherigen Ergebnisse, ihre Originalitat, sowie der Einfallsreichtum bestechen und machen das Buch zu einer Fundgrube für jeden am Vogelzug Interessierten.

W. Gatter
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